Stories | Willst du mit mir gehen? (2)

Willst du mit mir gehen? 

[ ] Nein

[ ] Nein

[ ] Vielleicht, aber eher nein

(Gastbeitrag)

Nachdem ich nun also Freundinnen hatte, die mich in die Münchner Schickeria

einführten, mich ihren Bekannten vorstellen und die mich wiederum deren

Bekannten vorstellten und so weiter sah meine Welt plötzlich ganz anders aus.

Wir tanzten auf den Tischen, wir feierten bis zum Morgengrauen (yo,

manchmal auch bis die Wolken wieder lila sind) und dachten nicht an Morgen.

Das war in meinem Fall natürlich besonders dumm, weil ich fast jeden

Samstag mit SO einem Schädel in der Vorlesung saß.. Aber was soll’s,

Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre.

Wie das Leben so spielt lief ich eines Abends dem Mann in die Arme, der mir

schon seit langer Zeit ins Auge gefallen war.

Nun gut, „in die Arme gelaufen“ ist jetzt vielleicht ein bisschen romantisch

ausgedrückt. Ich hatte mir mit 2 Shots Mut angetrunken und ihn auf der

Tanzfläche angesprochen, weil er scheinbar nicht dazu fähig war, meine

Signale richtig zu deuten. Wir tranken, wir lachten, wir tanzten. Irgendwann

wurden dann selbst wir aufgefordert heimzugehen und es kam, wie es

kommen musste. Ich entschloss kurzer Hand, das ist der perfekte Kandidat für

mein erstes One Night Stand und schubste ihn in mein Taxi, bevor er

überhaupt wusste, wie im geschah. Nun ja, was soll ich sagen? Selbst ist die

Frau.

Am nächsten Morgen fragte er beim Verabschieden nach meiner

Handynummer, ich ruf ihm ein Taxi und er ging seiner Wege. Keine 3 Minuten,

nachdem er zur Tür raus ist, erhalte ich eine Nachricht von ihm. Ob ich nicht

mal mit ihm Essen gehen will. Wer hätte das gedacht? Ich war sprachlos.

Also, direkt von Zero auf hundert, schwer verliebt, Wolke 7 und Crazy in Love.

Nach drei weiteren Treffen, schönen Abendessen, Händchenhaltend über den

Stachus schlendern war ich verzückt. Und naiv. Und dumm.

Eines Wochenendes, als wir nach dem Feiern gemeinsam Heimfahren wollten

erklärte ich ihm, dass wir nicht zu mir könnten, da mein Mitbewohner Besuch

hat. Es schien ihm nur ganz kurz unangenehm zu sein bevor er mit vollster

Gelassenheit sagte „Zu mir können wir aber auch nicht, da ist meine

Freundin“.

Will der mich eigentlich verarschen, dieser kleine H***nsohn?! In drei Wochen

und fünf Dates fiel es ihm nicht ein, besagte Freundin zu erwähnen. Es kam

ihm nicht mal in den Sinn, dass uns in der Öffentlichkeit vielleicht jemand hätte

sehen können. Oder es war ihm schlichtweg egal. Ich weiß überhaupt nicht,

wer von uns beiden jetzt eigentlich dümmer da steht. Ich? Oder seine

Freundin, die nichtsahnend vermutlich gerade seine Socken wäscht?!

Okay ja, sie natürlich. Aber auch ich war fuchsteufelswild! Nach einem lauten

und ja, auch hier und da beleidigendem, Wortgefecht und kleinerer

Körperverletzungen – von mir an ihn – trennten sich unsere Wege.

Ich, in meinem jugendlichen Leichtsinn, verstand die Welt nicht mehr. So eine

bodenlose Frechheit kam mir vorher noch nie unter die Augen. Und wenn man

bei uns daheim am Dorf seine Freundin bescheißt, dann immerhin noch

heimlich! Aber nein, eigentlich gar nicht. Eigentlich heiratet man das Mädchen,

mit dem Mann Ende 20 schon seit acht Jahren zusammen wohnt. Also ich

spreche nicht von mir, selbstredend, sondern von ihr, der Betrogenen. Dem

armen Ding! Und dann aber doch wieder zurück zu mir, ich bin jetzt die Bitch,

mit der ihr Freund sie betrügt. Ohne, dass ich überhaupt weiß wie mir

geschieht und ohne die Macht, ihr wenigstens zu sagen, was für ein Arschloch

ihr Freund ist. Denn ich habe keine Ahnung, wer das ist, weil in dieser scheiß

Stadt eigentlich niemand weiß, wer der andere ist, weil jeder nur Augen für

sich hat und die Anonymität genießt. Offensichtlich, um ungestört untreu zu

sein!

Nach dieser Geschichte musste ich also mit angeknackstem Herz,

angekratztem Ego und angestrengtem Gehirn feststellen, dass Treue

heutzutage nichts mehr ist, was man von seinem Partner voraussetzen kann.

Man wähle mit Bedacht. Und vielleicht mit Lügendetektor, aber auf jeden Fall

mit Bedacht. Und so verging auch mein zweites Jahr in München, mit

Freunden, ohne Freund. Ich inzwischen 20, aber kein bisschen klüger, kein

bisschen weiser..

 

Fortsetzung folgt…

 

xx, MARY ME

Folge:

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